Tue 13 Sep 2005
- Das Problem mit den Frauen ist, dass sie eben Frauen sind.
- (Lachen) Frauen sind …
- Frauen, ja genau. Sie sind anders als Männer. Ganz anders.
- Anders?
- Aber du bist ja noch jung, sehr jung. In deinem Alter hat mich das alles auch fuchsig gemacht, wirklich wahr.
- Fuchsich?
- Ja, nervös und unsicher …
- Aha.
- Ja, wenn die Frau gesagt hat, sie hat schlechte Laune, dann habe ich alles in Bewegung gesetzt, wirklich alles; verstehst du?
- In Bewegung setzen?
- Machen, tun. Man macht dann als Mann, macht sich Gedanken und so weiter. Jetzt aber, zehn Jahre später, jetzt rege ich mich nicht mehr auf, gar nicht mehr. Frauen eben, da kann man nichts machen, rein gar nichts. Man muss es ertragen …
- Oft ein Problem mit Frauen …
- Aber weißt du was?
- (sehr neugierig) Was?
- Frauen sind das Beste was einem Mann passieren kann.
- (Lachen)
- Wirklich! Sie sind der Sinn von allem … Es gibt nicht schlimmeres als allein zu sein.
- (wenig überzeugt) Ja.
- Allein ist die Hölle …
Wir verlassen das Lokal. Wir gehen sehr langsam, denn es immer noch sehr drückend, jede Bewegung ist schweißtreibend und man ist stets müde, zerschlagen. In der Nacht gibt es keine Abkühlung und ich schlafe seit einigen Tagen schlecht: immer wieder wache ich auf und liege dann umher, wälze mich Ich denke, es ist nicht nur die Hitze, sondern eben die Situation, doch in zwei Wochen oder so wird es besser werden; ich bin da optimistisch und habe damit ja auch gerechnet.
Alf telefoniert mit seiner Freundin und klärt wohl die Haarfärbesituation ab: er klingt hektisch und nervös, fuchtelt mit den Armen herum, spricht sehr laut. Die Chinesen schreien ohnehin fast alle in den Hörer hinein, gerade so als müssten sie die Entfernungen allein mit der Stimme überwinden. Sie reden ganz normal mit dir, dann klingelt das Handy und plötzlich brüllen sie los, so laut dass man zusammenfährt. Ich sehe mich um: Es ist 19 Uhr und stockdunkel. Überall auf dem Campus sind Lokale verteilt, ganze Straßenzüge lang reiht sich ein Lokal ans andere. Dies ist eine gute Lage, da die Studenten ja auf dem Campus wohnen müssen, in den Wohnheimen; sie müssen auch um 23 Uhr daheim sein, denn da werden die Türen zugeschlossen und keiner kommt rein oder raus; theoretisch natürlich, praktisch sieht das ja anders aus. Doch viele halten sich an diese Gesetze und daher ist es ab 23 Uhr nicht mehr unbedingt zu empfehlen, über den Campus zu laufen.
Jetzt aber ist eben noch viel los, es hat was von einem Straßenfest. Überall wird gegessen und verkauft, aus allen Ecken dringt der scharfe Geruch von Essen, angebratenem Chili und so weiter. In jedem Lokal laufen Fernseher (den Studenten sind die Geräte auf den Zimmern verboten), heute Abend spielt die chinesische Basketballmannschaft gegen die japanische, ein großes Ereignis und jeder schaut hin. Überhaupt ist Basketball äußerst beliebt hier, überall sind Plätze auf dem Campus, die NBA kennt hier jeder, unseren Dirk auch … ich erklärte übrigens in diesem Zusammenhang, dass der Dirk sehr hässlich ist (er hätte ein Gesicht als wäre es schon einmal abgebrannt und mit Arschhaut notdürftig geflickt; so ungefähr erläuterte ich das) und Alf war sehr erstaunt: gilt unser Dirk hier doch als ausnehmend hübscher Deutscher.
Doch Alf ist mit dem Gespräch fertig:
- Und?
- Ach!
- Probleme?
- Sie mich fragen, welche Farbe …
- Ich dachte, braun.
- Mir egal. Mir immer egal …
- Das hast du ja hoffentlich nicht gesagt!
- Doch. Ich immer sagen …
- Ganz schwerer Fehler! (mit dem Finger drohend) Immer so tun, als ob es dich interessiert.
- Ich immer bezahlen … Freundin kostet viel viel Geld.
- Jaja.
- Ist in Deutschland auch so? Dass der Mann alles bezahlt?
- Naja … Nicht ganz so …
Wir gehen weiter und mir fällt ein, dass ich noch einen Brief abschicken muss, an die Bank in Deutschland, die einfach nicht begreifen will, dass ich jetzt in China bin und mich daher gern persönlich sehen will; und dies im Zeitalter von Onlinebanking, es ist ein Quatsch … Wir gehen also ins Postamt und hier ist es wirklich wie im Busch: zehn Chinesen drängeln sich am Schalter, mittendrin eine ältere Frau im Safari-Kostüm: kurze Hosen, Holzfällerhemd, ein umgebundenes weißes Halstuch, Sonnebrille im Haar, das Gesicht zerfurcht und sonnengegerbt. Sie ist sauer und heißt Shelly, ist Amerikanerin und eben Lehrerin für Englisch. Alf erklärt mir das schnell, doch dann hat sie mich gesehen:
- Ah, it’s a shit, a shit!
- Hello, my name is Roman …
- Hello. This here is the real hell and it’s never over …
Sie sieht an mir vorbei: Alf steht unschuldig da. Sie stürmt auf ihn zu und klammert sich an seinem Hemd fest. Hastig erklärt sie ihm, dass sie ein Paket verschicken möchte und dies nun schon über eine halbe Stunde versucht. Alf kümmert sich drum und sie erklärt mir derweil, dass die Post hier immer eine Qual ist; sie sieht auch so aus: als wäre alles eine Qual. Ohne chinesischen Begleiter, so sie weiter, ist man jedenfalls aufgeschmissen und hilflos, denn die Postbeamten können nur chinesisch und das auch sehr schlecht. Ich nicke in ihren Wortschwall hinein und frage sie, seit wann sie in China ist, erwarte eigentlich, dass sie auch erst vor wenigen Tagen gekommen ist.
Vier Jahre ist sie hier, sagt sie jedoch und ich bin doch sehr verblüfft: Vier Jahre ist eine lange Zeit, genügend Zeit jedenfalls, sich an bestimmte Dinge zu gewöhnen und einfach gelassener anzupacken. Sie kann acht chinesische Worte, erklärt sie; wieder bin ich beeindruckt und mache mir eine Zigarette an: Die kann ich ja schon nach einer Woche.
Wir schweigen und ich merke, dass die Zigarette ihr nicht gefällt; typisch Amerikanerin, denke ich: intolerant und erwartet, überall Amerika vorzufinden, kommt nicht klar, dass es hier eben anders läuft. Jetzt fasst sie mich an und ich schüttle sie recht grob ab, mag so etwas nicht sonderlich, gehe raus und rauche draußen weiter, lasse Alf bei dieser Frau.
Draußen ziehe ich an der Zigarette und glaube, gegenüber ein Bordell zu erkennen: Bordelle tarnen sich hier zumeist als Friseure; der Unterschied ist dann, dass in deren Schaufenstern keine Haare geschnitten werden, keine Instrumente rumliegen, sondern eben Frauen. Hier aber steht nur eine Frau am dunklen Eingang und starrt misstrauisch in meine Richtung, so richtig lustfördernd. Ich gehe wieder rein.
Alf hilft immer noch und ich stelle mich hinter die beiden, die wiederum aufgeregt die Frau hinter dem Postschalter angehen. Es geht um eine Adresse, stelle ich fest, eine Adresse in China. Neben mir, unter mir und sicherlich auch über mir wuseln Chinesen mit Pakten umher, wie immer ist es dreckig, wie immer ist es zu warm. Es hat echt was von einem Vietnam-Film, wirklich.
- Thank you.
- No problem.
Das Problem scheint erledigt und die Amerikanerin rät mir noch, gut aufzupassen (worauf, zum Teufel?) und Alf nicht gehen zu lassen, denn er sei ein guter Helfer: sie schlägt ihm auf die Schulter, dem kleinen Chinesen, würde ihn am liebsten mitnehmen oder mir abkaufen. Wie auf dem Sklavenmarkt! Und sie hat tatsächlich etwas kolonialhaftes an sich, so etwas von: Ich bin hier und alle helfen mir, müssen mir helfen.
Sie läuft davon, fasst mich aber nicht mehr an, und endlich können wir uns um mein Problem kümmern.
Ich will, wie gesagt, einen Brief verschicken, nach Deutschland. Alf übersetzt alles.
Aha.
Jaja.
Wie viel Blatt?
Hm, ein oder zwei Blätter vielleicht …, sage ich und Alf übersetzt, braucht mehr Worte als ich, viel mehr Worte. Wieder wie im Film. Ich stehe etwas blöd daneben.
Wie viel das wiegen?
Wiegen? Keine Ahnung
Wir starren uns alle, alle starren wir uns an. Dann wiegt die Frau ein und dann zwei Blätter ab, soll ja alles seine Ordnung haben. Ich denke, ich kann doch nicht der einzige sein, der hier Briefe verschickt, aber vielleicht ist es ja wirklich so: Email und so, ansonsten verschickt man nur Pakete. Ob ich wisse, wie man die Adresse auf den Umschlag schreibt? Ich nicke, bekomme endlich Umschlag und Briefmarken: Die stamps müsse ich aber hintendrauf kleben. Wieder nicke ich, weiß aber, dass es unsinniges Zeug ist, denn vorne ist, wie überall, ein Feld für die stamps markiert. 6 Yuan kostet mich das.
Wir verlassen die Post und mir graust schon vor Paketen, aber irgendwann werde ich auch Pakete verschicken müssen .. na ja, hat alles seine Zeit.
Jetzt möchte ich noch einkaufen, kaufe Bier, Erdnüsse und viel zu trinken, Kippen. Die Erdnüsse sind sehr klein, schmecken eher wie Pistazien und sind zur Hälfte innen drin verschimmelt, was das essen sehr kompliziert macht, man braucht eine Brille, doch die trage ich momentan ohnehin, da ich beim Tippen immer rauche und ohne Brille der Rauch mir stets ins Auge fährt.
- Ist das da hinten eigentlich ein Bordell?
- Ein was?
- Ach nichts.
Das mit dem Sex ist hier sehr komplex, da unsichtbar, nicht vorhanden. Die Erziehung ist auch sehr gedämpft in dieser Hinsicht. Aber natürlich laufen die ganz gewöhnlichen Sachen, aber sehr heimlich, sehr gedrückt: Sex ist schmutzig, eine dreckige Sache, über die man am besten gar nicht redet. Sieht man aber auf die aktuellen HIV-Zahlen, dann wäre ein wenig Aufklärung sicherlich besser … Jedenfalls verkneife ich mir aufklärerische Ideen und Tendenzen und da ich eine Sau bin, muss ich mir oft auf die Zunge beißen, aber gut, geht schon.
Wir kommen an meiner Wohnung an und ich frage Alf, ob er morgen Zeit hat.
- Morgen ist Konferenz.
- Konferenz?
- Partei.
- Okay.
- Sehr langweilig. Sehr sehr langweilig.
Das sagt er immer, weicht wohl so den Fragen aus; doch ich habe gar keine und seine Angst ist also unbegründet. Doch es ist interessant, wie er mir ausweicht und vor allem: warum er mir ausweicht. Gut, denke ich und wir verabschieden uns, haste wieder was zum Nachdenken fürs nächste Mal.
Ich komme in der Wohnung an und es ist sehr ruhig jetzt auf den Straßen: Morgen kommen die neuen Studenten an und die Straßen sind größtenteils gesperrt. Sie fangen nicht sofort mit dem Studium an, sondern machen nach zwei oder drei Wochen eine militärische Ausbildung auf dem Campus … ich hoffe, ich werde davon einige Bilder machen können. Alle Studenten müssen also eine militärische Grundausbildung machen und aus diesem Grund steht dann einige Zeit hier alles still.
Fred sitzt wieder da und auf die Amerikanerin angesprochen, sagt er nur, dass Amerika vernichtet gehört und überhaupt. Wir unterhalten uns noch ein wenig, sprechen viel über die Art unseres Unterrichts und so weiter. Wir sind uns einig, dass wir mehr fordern müssen und haben während des Gesprächs eine gute Idee, die ich dann am Mittwoch in die Tat umsetzen werde, bin mal gespannt: eine weitere Hausaufgabe, ungleich schwerer als die letzte es war. Natürlich wird es um die Wahl gehen …
Den Abend verbringe ich nun noch damit, die Wahlversprechen der einzelnen Parteien zuerst im Internet zu suchen und dann zu lesen. Bald schon schwirrt mir der Kopf und ich muss doch lachen über die Berichterstattung der letzten Tage in den Medien: Die Medien als Meinungsmacher, die aus dem schon längst gelaufenen Wahlkampf ein sogenanntes Kopf-an-Kopf-Rennen machen und damit alles wieder drehen und beeinflussen: Es ist ein Unglück, dass so gut wie alle Medien links sind, doch das sind ja uralte Reflexe, denn früher (früher!) war der Intellektuelle eben links. Doch heutzutage, in der ZEIT steht es ja erst, ist der Intellektuelle eher FDP. Aber in den Medien sitzen ja die alten linken Säcke ohne Ahnung von der modernen Welt, so Günther-Grass-Typen, die eben ohne Sinn und Verstand rumbeißen … der Grass macht ja auch wieder mit, ein Unding: der Mann, der in seinem Garten dreibrüstige Frauen als Skulpturen aufstellt; klar, der wählt SPD, wie der Boris Becker und der Westernhagen: über diese Typen könnte ich mich so was von aufregen, da wird mir schwindlig: Keine Bildung, aber eben bekannte Leute und sitzen dann bei der Christiansen und wie sie alle heißen … Oder den Friedman … meine Güte, was ein schlimmer Mensch, müsste man alles den Studenten erklären: Lafontaine zum Beispiel, aber das geht ja gar nicht, das ist ja gar nicht möglich, ist unerklärlich. Letzte Woche habe ich ja versucht zu erklären, dass Schröder per Bundesverfassungsgericht die Affäre Haarfärben beendete und was das im Grunde bedeutet, nämlich die Verankerung der Majestätsbeleidigung in die Verfassung, doch es hat ja keiner verstanden und meine Wut verrauchte sinnlos vor sich hin, wie so oft.
Also, was tat ich? Ich legte mich ins Bett! Das ist alles, was ein normaler Mensch tun kann … sich hinlegen, die Augen schließen und trotz der Hitze die Decke ganz fest um sich wickeln, denn man weiß ja nie …





April 1st, 2006 at 2:39 pm
Roman, auch was Politisches von mir:
gestern abend das 2. tv duell
mit gysi schroeder
merkel westerw und stoiba
und dann die ueberraschung, merkel attackiert schroeder hart
beschimpft ihn als lügner und laesst mal einiges vom leder
anfangs versucht schroeder alles wegzugrinsen und lacht selbstgefaellig
dann kommen von ihm die ueblichen sprüche in diesem wahlkampf
1. die altlasten von 16 jahre kohl koenne man nicht so schnell abstellen
2. kirchhof will den nachtschwestern und feuerwehrleuten das geld
wegnehmen
3. kirchhof will jeden mit 25 % besteuern, das ist so unsozial,
dann zahle der millionaer ja genausoviel wie der bauarbeiter.
((prozentregelung wohl nicht verstanden))
4. man kann doch nicht die wählen, die früher schon alles verkehrt gemacht haben
summa summarum ist das spd und gruene prg gar kein programm
sondern ein ANTIPROGRAMM
es wird naemlich nur gesagt, was nicht gut sei und eigene konzepte fehlen voellig
so wurde auch kein haushalt für 2006 vorgelegt,was aber immer die erste aktion im BT nach der sommerpause
gewesen ist
und dann hat eichel noch eine geheime giftliste an kuerzungen, die nicht bekanntgegeben werden
kirchof ist halt so interessant, von eichel lenkt er alle aufmerksamkeit ab
naja
auf jeden fall hat merkel ihn richtig an die wand geredet.
schroeder saß da, abgekaempft ,muede, irgendwann verflog auch sein scheiss dummes grinsen
und die stimmung war angespannt
schroeder machte erstmals keine gute figur im TV
schlimm - und du stellst es zutreffend fest- sind die medien. diese linke propandamaschine, allen
voran der spiegel . auf spiegel.de kommt taeglich eine neue verwurstung
beispiele einiger überschriften
1. MERKEL ALLEIN ZUHAUS
2. Wo die CDU unter fünf Prozent liegt
3. Unions-Umweltpolitik: Lodengrüne Leichtmatrosen
4.Nervosität bei Schwarz-Gelb: Kirchhof entzweit Union und FDP
5. SPD legt zu: Der Kanzler sichtet wieder Land
6. CDU-Wahlkampf: Geschäft auf Gegenseitigkeit
7. Wahlkampf: Große Mehrheit der Deutschen gegen Kirchhofs Steuermodell
8. Analyse zu Kirchhof: Merkels Joker wird zum Problem
9. Diepgen-Comeback: Der Kandidat von früher