Von Bohnenkaese und Firlefanz …
Nachdem ich immer wieder dachte, dass ich mir die ganzen skurrilen Situationen, Sprachkunststuecke und Missverstaendnisse unbedingt merken muss, es aber nie getan habe, beschliesse ich nun kurzerhand, sie einfach aufzuschreiben. Gerade heute gab es wieder eine schoene Situation, die den Anlass dazu gab.
- Denn heute beginnt das Oktoberfest, es ist ein deutsches Kulturfest der Deutschstudenten unseres Instituts. Nachdem mir gestern gesagt wurde; Verena, morgen ist Unterricht, aber niemand wird kommen,
- habe ich beschlossen, mir dieses Fest einmal genauer anzuschauen. (Zumal wir hier heute – am 26. Oktober – unfassbare 30 Grad und Sonnenschein hatten!)
Heute Nachmittag gabs eine Bilderausstellung ueber Deutschland, natuerlich mit Fussballern, Autos, Sauerkraut und so weiter, - aber auch mit beruehmten Schriftstellern, Philosophen, Gebaeuden etc. Eine Studentin meinte dann, schau mal Verena, das ist das Gaense-Schloss!
Ich war so irritiert ueber diesen Namen, dass ich selbst auch einige Minuten brauchte um dann festzustellen, dass es das Schloss Neuschwanstein war …
Das naechste Bild war ein kleines verziertes Gebaeude im Gruenen und ich konnte es unmoeglich zuordnen und fragte dann die Studenten, wo denn dieses Haus stuende und sie antworteten; Verena, das ist der `Ohne-Sorgen-Palast`, der ist doch ganz beruehmt!
Und wieder stand ich auf dem Schlauch … der `Ohne-Sorgen-Palast`?! Was soll das denn sein?
Und wieder hoerte ich eine Studentin; vielleicht sagt man in Deutschland auch `Ohne-Kummer-Palast`, Verena, weisst du was Kummer ist? Kummer – wie Liebeskummer …
Jaja, ich weiss schon was Kummer ist, aber der `Ohne-Kummer-Palast`?! Hm, …
Bis mich dann endlich mein chinesischer Kollege erloeste und sagte, Verena, das ist ein Nebengebaeude des Sansoucci! - ja, so gesehen scheint das logisch … aber ich gebe zu, dass ich beim Schloss Sansoucci seltenst an die direkte Uebersetzung denke …
Ja, mit so schoenen Wortspielen beschaeftige ich mich des oefteren, leider vergesse ich selbst viele und kann auch nicht alle loesen, vorallem, wenn es um so unmittelbare Uebersetzungen geht, ohne Zusammenhang – so bekam ich zum Beispiel vor ein paar Wochen eine SMS;
Verena, was heisst `verknuspern`?
- Ja, mach dir mal Gedanken …
Letzte Woche hatte ich eine nicht ganz uneigennuetzige Hausaufgabe aufgegeben, hier sollten die Studenten aufschreiben, was und wo sie auf dem Campus gerne essen.
Ja, die Studenten, vorallem die Studentinnen hier lieben Entenhaelse, Verena, die musst du probieren, die sind einfach koestlich – naja, ich weiss nicht … mal sehen …
Das unappetitliche Wort `Bohnenkaese` stellte sich als einfacher Tofu raus - nun, den werde ich tatsaechlich in dieser Form in Deutschland vermissen.
Eine Studentin schrieb;
Ich esse in der Mensa, denn Mama hat gesagt, in der Mensa ist es sauberer als in den Strassenresaurants. Ich esse auch gerne Fisch, weil meine Mutter hat gesagt, dass Kinder mehr Fisch essen sollen. Ich esse auch gerne Aepfel, denn meine Mutter hat gesagt, dass Maedchen mehr Aepfel essen muessen. Ich esse nun taeglich einen Apfel.
Meine Mutter hat schon recht; der Fisch macht mich klug. Der Apfel macht mich schoen. Ich liebe meine Mutter.
Auch Sprichwoerter sind immer wieder Anlass schoener Sprachkunststuecke.
So sagt man in China ‘Ich bin die Gluehbirne` wenn man meint, dass man als Dritter mit einem Paerchen stoert. Ein schoenes Bild wie ich finde. Im Deutschen kamen wir dann natuerlich zu den Redewendungen `5tes Rad am Wagen sein` - was hier zu groesstem Gelaechter fuehrte, oder auch einfach `ueberfluessig sein`.
Worauf hin dann eine ganz findige Studentin spaeter in der Uebung meinte: Ich bin Firlefanz!
